Eine Kunstausstellung von Bewohnerinnen des ARGO Wohnheims Chur
Die Fachstelle gestaltet auch in der Tagesstruktur der ARGO Wohnheime regelmässige Kulturangebote. Hier schafft sie bedürfnisgerechte Kulturerfahrungen für die Bewohnerinnen und Bewohner, z.B. im Museum oder im Theater. Sie werden unterstützt, verschiedene Kulturorte kennenzulernen. Denn auch Menschen mit geistiger Behinderung sind kulturinteressiert.
In Chur haben sich Teilnehmerinnen mehrere Monate mit Kunst und dem Erfinden von Geschichten zu einem Bild beschäftigt. Dafür haben sie das Bündner Kunstmuseum besucht. Dort haben sie kurze poetische Texte zu Bildern aus der Ausstellung geschrieben. Die Klientinnen haben viele Inspirationen aus dem Museum mitgenommen und in den Wochen danach ihre eigenen Werke kreiert. Bereits Ende Jahr war das Resultat dieser Kulturbeschäftigung spür- und sichtbar: In einer Ausstellung haben die Teilnehmerinnen die Ergebnisse ihrer kulturellen Erfahrungsreise präsentiert. Die Ausstellung entstand aus ihrer Initiative und sie planten und gestalteten diese. Dazu gehört auch, sich mit dem Prozess der Ausstellungspräsentation zu beschäftigen. Zum einen mussten ihre Werke «ausstellungsfertig» gemacht werden, zum anderen bedeutete dies aber auch, sich mit dem Prozess der Präsentation ihrer Werke im Raum auseinanderzusetzen. Für die feierliche Eröffnung haben sie ausserdem eine kleine Aufführung einstudiert. Die Ausstellung fand im Wohnheim Chur statt und war 2 Monate öffentlich zugänglich.
Evi Caspar, Sozialpädagogin und Stv. ARGO Wohnheimleiterin: «Die Ausstellung ‘Grün, Baum und Sonnengelb’ hat mich sehr positiv überrascht. Genauso abstrakt wie Kunst sein kann, waren für mich die Vorstellung oder vielleicht auch meine Vorurteile zu diesem Projekt. Als ich aber dann gesehen habe, was die Klientinnen gemeinsam mit Erika Holenweger, Leiterin Fachstelle inklusive Kultur, auf die Beine gestellt haben, war ich verblüfft. Es schien mir so, als hätte die Kunst bzw. dieses Projekt ganz neue Türen und Ebenen für die ‹Künstlerinnen› geöffnet, welche ich so nie erwartet hätte. Nach der Ausstellung war mir erst bewusst, wie wertvoll und wichtig die Arbeit von Erika und die Einbindung von Menschen mit einer Beeinträchtigung in Kunst und Kultur sind.»
Aktionstage Behindertenrechte im Rätischen Museum Chur
Vom 15. Mai bis zum 15. Juni 2024 fanden in der ganzen Schweiz unter dem Motto «Zukunft Inklusion» Aktionstage im Zeichen der Behindertenrechte statt.
Das Rätische Museum und die ARGO Stiftung veranstalteten einen gemeinsamen Anlass an den Aktionstagen Behindertenrechte 2024. Fünf Klientinnen entwickelten gemeinsam mit dem Rätischen Museum eine öffentliche Führung durch die Jubiläumsausstellung «Die Wunderkammer». Mit Unterstützung gestalteten sie diese Führung nach ihren Wünschen und planten Thema, Inhalt und Ablauf. Dabei kam nicht nur ihre Sichtweise auf die von ihnen ausgewählten Museumsobjekte zum Ausdruck, sondern sie verliehen der Führung auch eine individuelle Note, indem sie musikalische Übergänge gestalteten oder ihre Präsentation durch das Erleben mit mehreren Sinnen bereicherten (Geräusche/Hörsinn, Fühlen/Tastsinn, Riechen/Geruchssinn, etc.). Die Vorbereitungen dafür starteten schon im März. Die Klientinnen arbeiteten an mehreren Nachmittagen im Museum, lernten dabei einen Teil der Ausstellung kennen und setzten sich intensiv mit einem von ihnen ausgewählten Objekt auseinander. Die Museumspädagogik des Rätischen Museums und die ARGO Fachstelle inklusive Kultur boten Hand und unterstützten die Klientinnen. Ab Ende Mai führten die Klientinnen zusammen mit der Museumspädagogin zweimal durch die Ausstellung und präsentieren ihre Exponate («Komm in unsere Wunderkammer», 28. Mai und 11. Juni).
Zoë Schurter, Museumspädagogin: «Als Museumspädagogin ist es mir ein grosses Anliegen, ein Museum für alle zu leben. Besonders freut es mich, wenn eine Ausstellung für Menschen zugänglich wird, die nicht jeden Tag die Gelegenheit haben, ein Museum zu besuchen. Gemeinsam mit den Klientinnen die Ausstellung aus einer neuen Perspektive zu entdecken, sich über Objekte auszutauschen und zusammen eine Führung zu gestalten – das ist eine spannende und bereichernde Aufgabe.»
Bewohnerinnen der ARGO führen durchs Museum - Veranstaltungen - Angebot - Deutsch - Rätisches Museum
Aktionstage Behindertenrechte im Kirchner Museum Davos
In Davos kann die ARGO Stiftung auf eine bereits seit mehreren Jahren bewährte Zusammenarbeit mit dem Kirchner Museum Davos zurückblicken. Das Museum stellt Informationen zu den Ausstellungen als Texte in leichter Sprache in den Ausstellungsräumen, aber auch in Form von Broschüren und Flyern zur Verfügung. Die Broschüren stossen auf grosses Interesse und werden vom Publikum rege genutzt. Denn Texte in leichter Sprache sind leicht verständlich und kommen daher allen zugute. Eine wesentliche Vorgabe dabei ist, dass die Texte durch Menschen mit einer geistigen Behinderung auf Verständlichkeit geprüft werden müssen. Seit 2020 arbeitet das Kirchner Museum Davos daher mit Klientinnen und Klienten der ARGO Werkstätte Davos zusammen. Dieses Engagement wurde an den Aktionstagen sichtbar gemacht.
Livia Wettach, Leiterin Soziale Dienste ARGO Werkstätte Davos: «Am Anfang brauchen die Teilnehmenden oftmals etwas Mut und Überwindung, da die Texte laut vor der Gruppe vorgelesen werden. Nebst den fachlichen Kompetenzen (lesen, sprechen) werden auch verschiedene soziale Kompetenzen wie das Verhalten in einer Gruppe gefördert und es wird sichtbar, wie die Mitarbeitenden auf die Ansichten der anderen Mitarbeitenden reagieren. Es braucht auch etwas Übung, einfachere Wörter oder Beschreibungen für Inhalte zu finden, welche schwierig zu verstehen sind. Die Mitarbeitenden schätzen vor allem die Abwechslung vom Arbeitsalltag. Das Kulturangebot der ARGO Fachstelle inklusive Kultur ist daher eine Bereicherung für unser Klientel.»
Eine Sonderausstellung im Rätischen Museum Chur
Zum 500-jährigen Jubiläum blickt die Sonderausstellung auf die Zeit des Freistaats der Drei Bünde zurück und zeigt, welche Auswirkungen sie auf das heutige Graubünden hat. Zahlreiche historische Objekte sowie Schriftstücke, Visualisierungen, «Bündner Schätze» aus der Bevölkerung und Expertenmeinungen runden die Schau ab und laden die Gäste zu einer Auseinandersetzung mit ihrer Heimat und Geschichte ein.
Die ganze Bevölkerung im Kanton Graubünden war aufgerufen, unter dem Motto «Schätze der Bündnerinnen und Bündner» etwas zur Ausstellung beizusteuern. Weil Bewohnende der ARGO Wohnheime ein wichtiger Teil der Bevölkerung sind, hat das Rätische Museum sie eingeladen, bei der Ausstellung mitzumachen. Es beteiligten sich 5 Bewohnerinnen des ARGO Wohnheims Chur und reichten ihre persönlichen Objekte mit ihren persönlichen Geschichten dazu ein.
In einem weiteren Schritt setzten sie sich mit den Themen Heimat, Verbundenheit und Zugehörigkeit auseinander. Verschiedene Fragen und Gefühle dazu reflektierten sie gemeinsam mit der Museumspädagogik und der Fachstelle inklusive Kultur. So ist neben Wort- und Bildsammlungen auch ein gemeinsames Werk entstanden: Eine grosse Webarbeit vereint ihre Gedanken und Gefühle rund um das Thema Heimat und sich Zuhause fühlen. All dies kann nun in der Ausstellung vom 8. November 2024 – Ende März 2025 bewundert werden.
Austausch über Inklusion im Theater mit Fachpersonen aus dem Sozial- und Kulturbereich
Beim Fachforum der ARGO Fachstelle inklusive Kultur in Zusammenarbeit mit dem Theater Chur am 3. Oktober 2023 haben Fachpersonen aus dem Sozial- und Kulturbereich über inklusive Formen und Formate eines Theaterbesuchs diskutiert. Das ARGO Personal lernte das Theater, das künstlerische Programm sowie die Vermittlungsangebote kennen und erhielt Informationen über Bedeutung und Stand von kultureller Inklusion insbesondere im Theater Chur. Ausserdem erlebte es selbst, wie ein Theaterbesuch für Menschen mit geistiger Behinderung vorbereitet und durchgeführt werden kann, mit dem Ziel, die Klientinnen und Klienten entsprechend beraten zu können. Aufgrund ihrer täglichen Arbeit und Erfahrung mit Menschen mit geistiger Behinderung konnte das Fachpersonal der ARGO wertvollen Input an das Theater Chur aus Sicht der Klientinnen und Klienten beitragen.
Beteiligte Theatermitarbeitende erhielten ihrerseits Einblick in die Struktur und Arbeitsweise der ARGO mit besonderem Schwerpunkt «inklusive Kultur». Das Theater Chur möchte für Menschen mit geistiger Behinderung zugänglich werden, Inklusion soll im Publikum gelebt werden. Aus diesem Anlass stellte das Theater Chur den anwesenden ARGO Mitarbeitenden zwei Gastspielproduktionen näher vor, zu welcher Bewohnende der ARGO eingeladen wurden. Das Theater Chur möchte aus diesem Theaterbesuch von Menschen mit geistiger Behinderung erste Erfahrungen sammeln. Mittels Rückmeldungen konnten Bewohnende und Betreuende Verbesserungen vorschlagen, die vom Theater Chur entsprechend den Möglichkeiten nach und nach umgesetzt werden.
Mit Vibrationen die Welt der Musik erleben
Menschen mit Hörbehinderung und gehörlosen Menschen die Welt der Musik näherbringen. Mit diesem Vorhaben startete der Verein «Kultur für Alle» auf Initiative der Leiterin der ARGO Fachstelle inklusive Kultur, Erika Holenweger, sein Engagement in Graubünden. Erika Holenweger engagiert sich im Vorstand des Vereins und hat das Amt der Co-Präsidentin übernommen.
Auch Menschen mit Behinderung sind kulturinteressiert, und Menschen mit Hörbehinderung durchaus auch musikinteressiert. Ihnen ist es jedoch nicht jederzeit einfach so möglich, ein Konzert zu besuchen, wenn dafür notwendige Zugangsvoraussetzungen nicht erfüllt sind. Der Verein «Kultur für Alle» engagiert sich für hindernisfreien Zugang zu Kultur für Menschen mit Behinderung. Um dies zu erreichen arbeitet «Kultur für Alle» mit Betroffenen und mit Personen aus Kultur und Politik zusammen.
Mit dem Konzert «Beethovens 9te für Alle» konnten «Kultur für Alle», die Fachstelle Bilinguale Bildung für Gehörlose/Hörbehinderte Graubünden und die Sinfonietta de Lausanne ein Musikerlebnis der anderen Art ermöglichen: Zum ersten Mal in der Ostschweiz haben Menschen mit Hörbehinderung und gehörlose Menschen klassische Musik mithilfe von Vibrationswesten taktil erlebt und so Teilhabe an Musik erfahren. Möglich wurde dies beim Public Viewing der Kammerphilharmonie Graubünden am 22. August 2024 in Chur. Es blieb aber nicht bei einem reinen taktilen Erleben von Musik. Als weitere Zugangshilfe wurde sowohl vor als auch während des Konzerts eine Verdolmetschung in Gebärdensprache angeboten. Damit wurde der Zugang zu allen wichtigen Informationen gewährleistet.
RTR hat den Abend begleitet. Der TV-Beitrag kann hier angeschaut werden (ca. 4 Min.): RTR-Film
ARGO Geschäftsstelle
Dr. Erika Holenweger
Leiterin Fachstelle inklusive Kultur
Bahnhofstrasse 3
7000 Chur
T 081 257 03 68
erika.holenweger@argo-gr.ch